Faszination Faszien – Faszien als sensorisches und emotionales Organ

Auf einen Blick

Beginn: Samstag, 13. Februar 2021, 10:00 Uhr
Ende: Sonntag, 14. Februar 2021, 17:30 Uhr

Veranstalter: mediABC GmbH
Veranstaltungsort: 90425 Nürnberg

Referent/in: Dr. Robert Schleip
Fortbildungspunkte: 20
Zertifikat: Teilnahmebescheinigung
Teilnehmerzahl: maximal 30 Teilnehmer/innen

Kosten:
Standardpreis: 380 €

Beschreibung

Kursziel:
Dr. Robert Schleip, Leiter des Fascia Research Project der Universität Ulm, berichtet über die neuesten Erkenntnisse aus der internationalen Faszienforschung und stellt praktische Techniken für die myofasziale Behandlung vor.
Der Schwerpunkt liegt bei diesem Seminar weniger in der chirurgischen und pharmakologischen Beeinflussbarkeit, sondern zeigt die reichhaltigen Möglichkeiten manualtherapeutischer sowie bewegungstherapeutischer Maßnahmen auf. Hierbei liegt die Hauptaufmerksamkeit weniger auf biomechanischen als auf den sensorischen und emotionalen Aspekten faszialer Veränderungen sowie der therapeutischen Interaktion.

Lernziel:
Dieses Seminar vermittelt allgemeine sowie gezielte praktische Anregungen für eine Einbeziehung des körperweiten Fasziennetzes in die Körpertherapie und die Bewegungspädagogik. Die Teilnehmer erkennen neue Zusammenhänge zwischen faszialen Versteifungen und Verklebungen (Adhäsions-Verstärkungen) einerseits und Tuning-Veränderungen des autonomen Nervensystems andererseits. Konkrete Lösungstechniken werden gezielt dargestellt sowie praktisch erlernt. Die Teilnehmer werden befähigt die erlernten Techniken unmittelbar in ihre therapeutische Arbeit zu integrieren.

Hintergrund:
Die Faszien bilden ein körpereigenes Netzwerk aus faserigem, kollagenem Bindegewebe. Dieses Netzwerk umhüllt und verbindet alle Organe, Muskeln, Nerven und Gefäße. Während das Fasziennetz in der Vergangenheit weitgehend vernachlässigt wurde, erlangte es in jüngster Zeit durch neue Messtechnologien eine rapid zunehmende wissenschaftliche Aufmerksamkeit. Neue Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass das körperweite Fasziennetz die wichtigste Grundlage für unsere Körperwahrnehmung darstellt und damit unsere nicht nur zahlreiche myofasziale Schmerzsyndrome, sondern auch unsere Propriozeption, Interozeption, unser Körperschema sowie Körperbild maßgeblich beeinflusst. Eine spezielle Rolle spielt hier die hohe sympathische Innervation der Faszien sowie die Auswirkung chronisch emotionaler Stressbelastungen auf die fasziale Sensorik und die tastbaren Gewebeeigenschaften.

Lehrplan (60% Theorie, 40% Praxis):
Theoretischer Teil:

  • Faszien als Sinnesorgan: Ihre Bedeutung für die Propriozeption, unseren sogenannten sechsten Sinn
  • Die vier Mechanorezeptor-Typen in unseren Faszien: Golgi-, Pacini-, Ruffini- und freie Nerven-Endigungen, deren Lokalisation, Sensitivität und neurophysiologische Auswirkungen
  • Wechselwirkungsketten zwischen Faszienspannung und autonomen Nervensystem
  • Faszien und Interozeption: Einfluss von viszeralen und (sub)kutanen Rezeptoren auf das Körperbild und emotionale Grundausrichtungen
  • Die Rolle von Embodiment und Achtsamkeit in der faszialen Wahrnehmung
  • Verständnis der Dynamik des vegetativen Nervensystems aus evolutionsbiologischer Sicht (nach Ernst Gellhorn)
  • Verständnis von posttraumatischen Belastungsstörungen auf der Grundlage neuester Erkenntnisse von Peter Levine, Stephen Porges und anderen
  • Das Tensegrity-Konzept in dynamischer Aktion: Myofasziale Kraftübertragungsrichtungen mit neuesten Modifikationen und Relevanz für die Haltungsregulation
  • Lendenfaszien: Architektur und Innervation. Neue Aspekte in der Rückenschmerzforschung

Praktische Anwendungen:

  • Golgi-Rezeptorstimulation: Anwendung zur Korrektur von Schulter-Protraktionen
  • Pacini-Stimulation: Anwendung auf spinale Facettengelenke und kostovertebrale Gelenke
  • Ruffini-Stimulation: Anwendung am oberen Trapez, mit Folgewirkungen auf den vagalen Tonus und die Herzfrequenzvariabilität
  • Spiegelneurone und Empathie: praktische Anwendung mit der CAKE-Technik (constructive
    anticipatory kinesthetic empathy)
  • Stimulation der freien Nervenenden: Beispiel einer Periost-Manipulation
  • Faszientechniken zur Behandlung von akuten Schmerzen im unteren Rückenbereich
  • Faszientechniken zur Behandlung des myofaszialen Nackensyndroms
  • Arbeit mit posttraumatischen Belastungsstörungen im physiotherapeutischen und bewegungspädagogischen Kontext
  • Einbeziehung von achtsamen Mikrobewegungen des Patienten während der praktischen Arbeit

Lehrmaterial:
Sie erhalten ein Skript.

Prüfung:

Dozent:
Dr. Robert Schleip
Dr. biol. hum., Diplom Psychologe
ist Leiter der Fascia Research Group der Universität Ulm sowie Forschungsdirektor der European Rolfing Association. Er war Co-Initiator des 1. Fascia Research Congress (Harvard Medical School, Boston 2007), womit der wissenschaftliche Durchbruch auf diesem neuen Feld gelang. Seither ist er im wissenschaftlichen Komitee der Nachfolgekongresse. Selbständige manualtherapeutische Praxistätigkeit seit 1987, seit 1993 Lehrtätigkeit als Rolfing- und Feldenkrais Lehrer, ab 2004 Schwerpunktverlagerung in die wissenschaftliche Grundlagenforschung. Im Jahr 2006 wird seine mit „summa cum laude“ ausgezeichnete experimentelle Promotionsarbeit zum Thema „Aktive Faszienkontraktilität“ zusätzlich mit dem angesehenen Vladimir Janda Preis für Muskuloskelettale Medizin geehrt. Dr. Schleip ist Autor zahlreicher Fachpublikationen zum Thema Faszien.

Hinweise:

    • Zur Zielgruppe: Schüler und Studenten der Physiotherapie können diesen Kurs ebenfalls besuchen.

 

Bücherempfehlungen: Lehrbuch Faszien, R. Schleip et al., Elsevier Urban & Fischer Verlag und Faszie in Sport und Alltag, R. Schleip & A. Baker. Riva Verlag

Veranstaltungsort

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Seminarort: das mediABC
Adresse: Steinfeldstr. 1, 90425 Nürnberg (Deutschland)
Kontakt vor Ort:
 

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Veranstalter

mediABC GmbH

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Adresse: Steinfeldstr. 1, 90425 Nürnberg
Ansprechpartner: kurse@dasmediabc.de
Telefon: 0911/957630-10

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